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Eine kurze Geschichte der Körperpsychotherapie


Die Verbindung von Leib und Seele, von Physiologie und Psychologie, findet sich bereits in der Typologie des Hippokrates. Er beschreibt den Einfluss, den Körpersäfte auf die Psyche haben sollen: der Choleriker (Chole = Galle) ist aufbrausend, "gallig“, der Melancholiker (‚schwarze Galle’) ist betrübt, gestaut, depressiv, der Phlegmatiker (Phlegma = Schleim) ist träge, zähflüssig, der Sanguiniker (sanguis = Blut) ist lebensfroh, leichtfüssig, direkt.

1853 veröffentlichte C. G. Carus (1789-1869) seine " Symbolik der menschlichen Gestalt“. Darin beschreibt er die Wechselwirkung von Leib und Seele, wie zum Beispiel traumatische Erlebnisse sich in der Wirbelsäule niederschlagen können. In seinem Werk Psyche (1846) weist er auf den Einfluss der Sexualität auf die Psyche hin - lange vor Freud sieht er Ursachen von Neurosen und Psychosen in sexuellen Problemen (Buser 1977).

Pierre Janet (1859 bis 1947), der das Wort Dissoziation prägte und sich mit Traumaforschung befasste und Georg Groddeck (1866-1934; ‚Das Buch vom Es’), ein Freud-Schüler, der in der Therapie auch Massagen anwandte, sind weitere Psychologen, die die Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche erforschten.

Schließlich war es dann Wilhelm Reich (1897-1957), ebenfalls ein Freud-Schüler, der die Körperpsychotherapie recht eigentlich begründete. Er entdeckte, dass unterdrückte Gefühle und Emotionen durch Muskelverspannungen zurückgehalten werden, die Menschen wie in einem Muskelpanzer gefangen sind. 1934, am psychoanalytischen Kongress in Luzern hielt er ein bahnbrechendes Referat, danach wurde er aus der psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen. Während die meisten Kongressteilnehmer im Hotel Schweizerhof logierten, zeltete Reich im Lido, einem Platz am Vierwaldstättersee.
Reichs Leben mutet wie eine Wiederverkörperung von Paracelsus an: tätig auf vielen Gebieten (zum Beispiel Neuropsychoimmunologie begründet und deswegen verlacht worden), höchste Ansprüche an sich und die anderen, verfolgt von den Nazis in Europa, von der FDA (Food and Drug Administration) in den USA, wo auch seine Bücher verbrannt wurden (!)
Reich entwickelte den Begriff der Charakterpanzerung, er sah, wie die Energie in sieben Segmenten blockiert wird (Augen, Nacken und Kiefer, Schultern, Brust, Zwerchfell, Bauch, Becken) und er erarbeitete Methoden und Techniken, mit denen diese Blockierungen gelöst werden konnten.

John Pierrakos und Alexander Lowen, die Begründer der Bioenergetik, führten das Prinzip der Erdung ein. Nur wenn der Mensch und seine Energie geerdet sind, ist eine gesunde Entwicklung möglich. Eine Energie-Ladung kann nur bei guter Erdung im Körper gehalten werden (containment).

Schon Wilhelm Reich legte auch ein spezielles Gewicht auf die Atmung, die bei Erwachsenen selten optimal funktioniert. Säuglinge und Tiere (Katzen!) haben meist einen freien, tiefen Atmungsrhythmus, der bei Kindern(„sei still“, „nicht so laut“, „nicht so wild“, etc.) bald einmal eingeschränkt und blockiert wird.

Die Bemühungen von Wilhelm Reich, den Charakterpanzer zu brechen, sind unterdessen Verfahren gewichen, die Blockierungen von innen nach außen eher schmelzen zu lassen. Die modernen Verfahren der Körperpsychotherapie –wie die Biosynthese von David Boadella oder IBP (Integrative Body Psychotherapy) von Jack Lee Rosenberg - sind feiner geworden, sie respektieren den Widerstand als ursprüngliche Ressource oder Überlebensstrategie und beabsichtigen eine ‚Neuverhandlung’. Es geht um eine organische Wiedervernetzung von Leib und Seele.





AKTUELL: Embodiment in der Psychotherapieab 9. Juli 2010 und andere Termine
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Vortragszyklus zu Schwangerschaft und Geburt [Mehr]

Intro Biosynthese diverse Daten / David Boadella u. Silvia Specht B.
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IBP Intro/diverse Daten / Markus Fischer
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