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Was ist Körperpsychotherapie? - Ein Experiment

Stellen Sie sich vor:

Sie liegen an einem weißen Strand in der Südsee unter Schatten spendenden Palmen, es ist fast heiß, aber ein lindes Lüftchen verbreitet ein ideales Klima, vom Meer her ist die Brandung zu hören, die Luft ist leicht salzig, aber es sind auch süßliche Blumendüfte beigemischt. Sie atmen tief durch, entspannen sich...

Was geschieht dabei im Körper? Wie ist die Atmung, die Muskelspannung, wie fühlt sich der Bauch an, wie die Stimmungslage?

Jetzt stellen Sie sich vor:

Sie sitzen in einem kleineren Flugzeug, der Motor dröhnt, die Tür ist offen, denn Sie werden demnächst Ihren ersten Fallschirmabsprung wagen. Sie hören, dass die Motorleistung zurückgenommen wird, die Höhe ist erreicht, sie müssen zur offenen Luke gehen, der Absperrung soll beginnen, tief unten die Erde, Sie sind bei der offenen Türe, sprungbereit. "Springen sie jetzt!“, sagt der Instruktor.

Wie sind die Körpergefühle jetzt, wie atmen Sie, wie fühlt sich Ihr Bauch an?

Genauso wie unsere Vorstellungen unseren Körper - und dessen Wahrnehmung - beeinflussen, genau so beeinflusst der Körper unsere Psyche. Wir kennen das von Müdigkeit bei zu wenig Schlaf, von Substanzen, die wir einnehmen: Kaffee, Wein, Tee, Bier können unsere Befindlichkeit verändern. In der Sprache haben wir viele Redewendungen die körperbezogen sind: uns liegt etwas auf dem Magen, wir beißen auf die Zähne, etwas ist uns über die Leber gekrochen, es verschlägt uns den Atem, es bleibt uns die Spuke weg, wir staunen mit offenem Mund, wir haben einen Spleen (dt. Milz).

In der Körperpsychotherapie wird diese Wechselwirkung laufend beachtet, seit unserer Kindheit eingespielte Fehlhaltungen und Fehleinstellungen können verändert werden.

Eine lustvolle Sexualität, tiefer, entspannter Schlaf, Motivation und Kreativität sind nur möglich, wenn Körper und Psyche optimal zusammenspielen.

Unsere Lebensgeschichte ist im Körper gespeichert. Schutzhaltungen, die uns einst halfen, mit bestimmten Situationen fertig zu werden (‚ein Indianer weint nicht’, ein Mädchen darf nicht wild sein, etc.), behindern im Erwachsenenalter eine gesunde Entwicklung. Denn die Schutzhaltungen bleiben bestehen solange sie nicht bearbeitet werden. Eine rein psychische Auflösung ist nicht möglich, denn die Fehlhaltungen sind körperlich verankert, verspannte Schultern, flache kurze Atmung, ein unbewegliches Zwerchfell (was wir meist gar nicht wahrnehmen), chronisch angespannte Kiefermuskeln, etc.

Arbeitet man nur mit dem Körper bleiben die zu Grunde liegenden Ängste und Emotionen unbearbeitet, was in kurzer Zeit zu einer Wiederbelebung der alten Fehlhaltungen führt - deshalb bleibt das Haltungsturnen der Kinder meist erfolglos. Es braucht das Pendeln zwischen Körper und Verstand, das Verstehen (Ver-stehen - wieder eine körperliche Aussage, die auf die Wichtigkeit des Erdens (stehen) hinweist.

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